Zum Hauptinhalt springen

FF Preinsbach

Heissluft7.jpg

Foto (Archiv): Abschnittsfeuerwehrkommandant Stefan Schaub mit Karl Etlinger

„Lithium-Ionen-Akkus sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für die Feuerwehren werden falsch gelagerte, beschädigte oder entsorgte Akkus aber zunehmend zum Problem“, informiert Abschnittsfeuerwehrkommandant Stefan Schaub, im Bezirksfeuerwehrkommando Amstetten zuständiger Experte für Vorbeugenden Brandschutz.

Feuerwehrmann Stefan Schaub informiert:

Handy, E-Bike, Akkuschrauber, Laptop, E-Zigarette oder elektrische Zahnbürste – Lithium-Ionen-Akkus stecken mittlerweile in unzähligen Geräten. Sie speichern viel Energie auf kleinstem Raum und sind bei bestimmungsgemäßem Gebrauch grundsätzlich sicher.

Doch wenn ein Akku beschädigt, überhitzt, falsch geladen oder unsachgemäß entsorgt wird, kann daraus schnell ein Brand entstehen.

Für die Feuerwehren ist das längst keine theoretische Gefahr mehr. Auch im Bezirk Amstetten kam es bereits zu Bränden, bei denen beschädigte Akkus als mögliche Zündquelle eine Rolle spielten. In Greinsfurth wurde beispielsweise ein Wohnhaus durch einen brennenden Laptop-Akku schwer beschädigt.
 
Unsichtbare Schäden sind besonders tückisch
 
Ein Sturz oder Schlag muss einem Akku äußerlich nicht anzusehen sein. Im Inneren können jedoch Zellen oder Schutzmembranen beschädigt werden. Beim späteren Laden kann es zu einem Kurzschluss und einer unkontrollierten Erwärmung kommen.
 
Feuerwehren sprechen in diesem Zusammenhang vom „Thermal Runaway“, dem thermischen Durchgehen einer Akkuzelle. Dabei kann sich die gespeicherte Energie innerhalb kürzester Zeit freisetzen. Es entstehen hohe Temperaturen und brennbare Gase, die einen Brand sehr schnell eskalieren lassen können.
 
Deshalb gilt: Beschädigte, verformte oder ungewöhnlich heiß werdende Akkus nicht mehr verwenden und keinesfalls weiterladen.
 
Auch beim Laden selbst ist Vorsicht angebracht. Nur geeignete Ladegeräte verwenden, Akkus nicht auf brennbaren Unterlagen laden und E-Bike- oder E-Scooter-Akkus möglichst nicht unbeaufsichtigt über viele Stunden laden. Große Hitze und direkte Sonneneinstrahlung sollten ebenfalls vermieden werden.

Die unterschätzte Gefahr steckt im Müll
 
Besonders große Sorgen bereitet den Feuerwehren mittlerweile aber ein anderes Problem: falsch entsorgte Akkus.

Eine alte Powerbank, eine E-Zigarette, ein Handy oder ein kleines Spielzeug landen schnell einmal im Restmüll. Was für den Einzelnen nach einer Kleinigkeit aussieht, kann in einem Müllfahrzeug oder Recyclingbetrieb dramatische Folgen haben.
 
Beim Sortieren, Pressen oder Shreddern werden die Akkus mechanisch belastet. Ein Kurzschluss kann die gespeicherte Energie freisetzen und einen Brand auslösen.

Wie real diese Gefahr ist, zeigte erst im Juli 2026 ein Brand im Altstoffsammelzentrum Purgstall. Dort entzündete sich nach den bisherigen Informationen der Akku eines falsch entsorgten Hoverboards.
 
Auch Großbrände beim Recyclingunternehmen Metran in Kematen im Dezember 2024 und Februar 2026 haben eindrucksvoll gezeigt, mit welchen Dimensionen Feuerwehren bei Bränden in Entsorgungsbetrieben konfrontiert sein können. In beiden Fällen wurden eindeutig Lithium-Ionen Akkus als Brandursache identifiziert.

Die Zahlen zeigen jedenfalls die Dimension des Problems: In Österreich landen Schätzungen zufolge jährlich rund drei Millionen Lithium-Batterien und -Akkus im Restmüll. 2025 wurden rund 36 größere Brände in Entsorgungsbetrieben registriert, bei denen falsch entsorgte Akkus zumindest als mögliche Ursache vermutet wurden.
 
Ein kleiner Akku kann einen großen Einsatz auslösen

Die wichtigste Botschaft der Feuerwehren ist daher einfach: Lithium-Akkus gehören niemals in den Restmüll!

Alte Akkus und Elektrogeräte müssen bei den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden. Bei herausnehmbaren Akkus sollten die Kontakte gegen Kurzschluss gesichert werden. Ist der Akku fest im Gerät verbaut, gehört das komplette Gerät in die entsprechende Sammlung. In Österreich stehen dafür rund 2.000 kommunale Sammelstellen zur Verfügung.
 
Lithium-Ionen-Akkus sind eine wichtige Technologie unserer Zeit. Die Feuerwehr will deshalb nicht vor den Akkus selbst warnen, sondern vor einem sorglosen Umgang damit.
 
Nicht beschädigt weiterverwenden. Nicht falsch laden. Nicht überhitzen. Und vor allem: Nicht in den Restmüll werfen.
 
Denn ein Akku, der richtig entsorgt wird, ist ein wertvoller Rohstoff.
Ein Akku im Restmüll kann dagegen zum Zündfunken werden – und aus einem kleinen Energiespeicher einen großen Feuerwehreinsatz machen.